Buddy-Programm on Tour – die Trans|formator:in in Karlsruhe

Die letzte von drei Exkursionen des Trans|formator:in Buddy-Programms führte am 17. und 18. März 2026 zu unserem Schwesternprojekt nach Karlsruhe (DE).  Spannende Fachinputs sowie Austauschmöglichkeiten mit der planenden Verwaltung, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft standen am Programm. Im Fokus lagen dabei das 2022 abgeschlossene IQ-Leitprojekt „Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt“ (ÖRMI), das kürzlich veröffentlichte Entsiegelungskonzept und  Stadtbaumkonzept sowie die „Kombilösung Karlsruhe“.

Der erste Exkursionstag startete mit der offiziellen Begrüßung von Heike Dederer-Schöberl, Leiterin des Stadtplanungsamtes, und einem fachlichen Kurzinput zu den in den letzten Jahren erarbeiteten strategischen Konzepten der Stadt Karlsruhe (u.a. ÖRMI, Räumliches Leitbild, Klimaanpassungsstrategie), dem kürzlich veröffentlichten Entsiegelungskonzept sowie zu Arbeitsschwerpunkten im Bereich (Innen-)stadtentwicklung – dazu zählen unter anderem Quartiersbudgets und die Kunst im öffentlichen Raum als UNESCO City of Media Arts.

Fachexkursion mit Schwerpunkt öffentlicher Raum, Straßentransformation und Reallabore

Am späten Vormittag folgte die Stadtführung unter Leitung und Moderation der ÖRMI-Projektleiterin Oriana Kraemer (Stadtplanungsamt). Die Exkursionsroute ging, ausgehend vom Stadtplanungsamt, zunächst durch die Nottingham-Gartenanlage und dann entlang der Sophienstraße ,einer der wichtigsten Fahrradstraßen in Karlsruhe, in Richtung Stadtzentrum.

In der Südlichen Waldstraße erhielt die Exkursionsgruppe Gelegenheit zum Austausch mit Birgit Deck, der Vorsitzenden der Interessengemeinschaft, die sich mit der Gestaltung und Aufwertung „ihrer“ Geschäftsstraße befasst.

© Martin Aufhauser | stadtland

Auftakt im Stadtplanungsamt

Am nahegelegenen Stephanplatz stellte Oriana Kraemer die Kunstinstallation „Flora Momentum“ der Agentur ato vor, die ursprünglich als temporärer Quartiersimpuls im Rahmen der City-Transformation umgesetzt, nach Ablauf der Förderung jedoch in die permanente Gestaltung des öffentlichen Raums übernommen wurde. An der Karlstraße wurden der Hintergrund, der Ablauf und die Evaluierungsmethodik des Reallabors „Platz für mehr“ erklärt, welches 2022 als Teil des ÖRMI-Projektes durchgeführt wurde und Gelegenheit zur Erprobung neuer Mobilitätspraktiken und Nutzungsformen im öffentlichen Straßenraum bot. Ergebnis des Reallabors Karlstraße war eine fachliche Empfehlung zum dauerhaften Umbau der Karlstraße, welcher im Zuge einer Haltestellenverlegung in den nächsten Jahren realisiert werden soll. Der erste Exkursionsblock endete im Passagehof, einem ehemaligen Lieferhof, in dem zwischen Februar und Juli 2022 ein weiteres Reallabor des ÖRMI-Projektes beheimatet war. Nach Abschluss des Reallabors wurde der Passagehof zur Fußgängerzone umgewidmet und mit aus einer Großspende finanzierten Möblierungs- und Begrünungselementen ausgestattet, die zum gemütlichen Verweilen einladen. Zusätzlich wurde auf Grundlage eines Designwettbewerbs mit teilöffentlicher Jurierung eine gelbe Bodenbemalung unter dem Gestaltungsmotto „Offene Runde“ angebracht.

© Martin Aufhauser | stadtland

Fahrradstraße Sophienstraße

© Gunnar Grandel | TU Wien MOVE

Austausch mit Birgit Deck von der IG Südliche Waldstraße

© Martin Aufhauser | stadtland

Vorstellung des Reallabors „Platz für mehr“

© Gunnar Grandel | TU Wien MOVE

Pilotprojekt Passagehof

„Kombilösung“ für die Verkehrsabwicklung im Untergrund

Nach der Mittagspause gab Katrin Helmchen, Leiterin der Planungsabteilung des Gartenbauamts, gemeinsam mit einem Mitarbeiter Einblicke in das Grünraumgestaltungs- und Baumkonzept für den in schrittweiser Neugestaltung befindlichen Straßenzug in der Kaiserstraße. 

Zu Fuß ging es weiter zum Marktplatz. Matthias Schmid, Prokurist der Karlsruher Schieneninfrastrukturgesellschaft KASIG, stellte uns den Straßenbahn- und Schnellbahntunnel unter der Kaiserstraße, dem Marktplatz und der Ettlinger Straße vor, der 2021 als Teil des Projektes „Kombilösung“ eröffnet wurde. Die sieben Haltestellen des Untergrund-Bahnsystems sind nicht nur mit dem oberirdischen Straßenbahnnetz der Stadt, sondern auch mit dem regionalen Schnelltram-Netz (S-Bahn Karlsruhe) direkt verbunden ist und wurden für ihre außergewöhnliche Architektur und ihr innovatives Lichtdesign bereits mit etlichen Preisen ausgezeichnet.

© Martin Aufhauser | stadtland

Vorstellung des Grünraumgestaltungskonzeptes für die Kaiserstraße

© Martin Aufhauser | stadtland

Untergrundführung durch die Stationen des Untergrund-Bahnsystems

Der zweite Teil des knapp 1,5 Milliarden Projektes „Kombilösung“ war die teilweise Verlegung der parallel zur Kaiserstraße verlaufenden 8-spurigen Kriegsstraße in einen unterirdischen Autotunnel mit mehreren Auf- und Abfahrtsrampen, welcher 2022 eröffnet wurde. An der Oberfläche wurde so Platz gewonnen, der heute für eine begrünte oberirdische Straßenbahnachse genutzt wird. Zum Projekt Autotunnel stand Projektleiter Johannes Häberle den Gästen aus Österreich Frage und Antwort.

© Martin Aufhauser | stadtland

Vorstellung des Projektes „Autotunnel“

Der südliche Bahnhofsvorplatz als „Klimaplatz“

Mit der Straßenbahn ging es aus dem Untergrund weiter zum Hauptbahnhof, wo Mitarbeiter:innen des Gartenbauamtes die 2024 abgeschlossene Neugestaltung des südlichen Bahnhofsvorplatzes im Sinne des Schwammstadtprinzips vorstellten. Das Projekt gilt als Vorzeigelösung für klimasensible Platzgestaltung und integriert neben unterirdischen, teilsverbundenen Baumquartieren mit schwammstadttauglichen Wassereinläufen viele Sitzgelegenheiten, ein Wasserspiel, Kiss+Ride- sowie Taxi-Stellplätze. Abschließend schaute die Exkursionsgruppe noch kurz beim Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof vorbei, das seit 2018 in Betrieb ist.

© Martin Aufhauser | stadtland

Vorstellung des neugestalteten südlichen Bahnhofsvorplatzes

© Martin Aufhauser | stadtland

Besichtigung des Fahrrad-Parkhauses am Hauptbahnhof

Praxisaustausch zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft

Den Abschluss des ersten Exkursiontags bildete eine Abendveranstaltung mit Podiumsdiskussion im Kultur- und Wissenstransferzentrum „TRIANGEL“ am Kronenplatz. Unter dem Titel „Karlsruhe X Österreich – Praxis trifft Praxis“ wurde diskutiert, wie Stadttransformation im Dialog von Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gelingen kann. An der Veranstaltung nahmen neben den Gästen aus Österreich auch rund 30 Personen aus Karlsruhe teil – darunter Verwaltungsmitarbeiter:innen aus den städtischen Ämtern, Wissenschaftler:innen von KIT und Hochschule Karlsruhe , Mitarbeiter:innen der städtischen Karlsruher Marketing und Event GmbH sowie Vertreter:innen zivilgesellschaftlicher Initiativen. 

Unser Kollege Gunnar Grandel stellte das Projekt „Trans|formator:in“ vor, ehe Heike Dederer-Schöberl (Leiterin Stadtplanungsamt), Katrin Helmchen (Leiterin Planungsabteilung Gartenbauamt), Daniel Lang (ITAS/KIT) und Manuel Köcher (TRIANGEL) vier thematische Kurzimpulse für den diskursiven Austausch lieferten. 

© Gunnar Grandel | TU Wien MOVE

Abendveranstaltung im TRIANGEL – Kurzimpulse

In einem Seminarraum stehen viele bunte Stühle auf denen aufmerksame Zuhörer sitzen.
© Martin Aufhauser | stadtland

Abendveranstaltung im TRIANGEL – Diskussion

Die Diskussion spannte einen Bogen vom Umgang mit Klimastress im öffentlichen Raum, über die Entsiegelung und den damit verbundenen zusätzlichen Pflege- und Bewässerungsaufwand, über die Auswirkungen knapper Budgets auf die kommunale Planungspraxis bis hin zur Rolle von Reallaboren als Lernräume für die Verwaltung und Stadtgesellschaft. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft, wobei bestehende Hürden (z. B. unklare Zuständigkeiten und Ansprechpartner:innen sowie geringe Handlungsspielräume) thematisiert wurden.

Die zentralen Erkenntnisse aus der Diskussion gerade angesichts knapper Budgets sind, dass neue Organisationsformen und Kooperationen zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, aber auch neue Finanzierungs- und Betriebsmodelle, etwa für Pflege und Bewässerung von grüner Infrastruktur, an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass wissenschaftliche Reallabore als wichtige Lernräume für die Verwaltung und für die Stadtgesellschaft fungieren können.  Reallabore sind jedoch immer mit hohen Zeitaufwänden verbunden und sollten bewusst als beispielhafte Lernräume eingesetzt werden, deren Erkenntnisse in ähnlichen Projekten weiterverwendet werden können. Um in Zukunft auch die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen zu erleichtern, braucht es in der Verwaltung niederschwelligere Zugänge, klare Ansprechpersonen und Prozesse.

Austauschforum

Am zweiten Exkursionstag fand das Trans|formator:in-interne Austauschforum statt, bei dem die wesentlichen Learnings aus der Fachexkursion und der Diskussionsveranstaltung am Abend zuvor diskutiert wurden. Reflektiert wurde zudem, welche Ansätze aus Karlsruhe in die Arbeit an eigenen Projekten in Österreich übernommen werden könnten.

Ausblick

Mit der Exkursion nach Karlsruhe neigt sich das Buddy-Programm der Trans|formator:in bereits dem Ende zu. Im April wird die letzte Vor-Ort-Werkstatt der Gruppe „Achsen der aktiven Mobilität“ in Mödling (NÖ) stattfinden, bevor das Lern- und Austauschprogramm mit einem gemeinsamen Online-Wrap-Up aller Themengruppen abschließt.