Judith Schwentner: 5 Tipps sowie Learnings vom Projekt Neutorlinie

Die Straßenbahn-Entlastungsstrecke Neutorlinie hat im November ihren Betrieb in der Grazer Innenstadt aufgenommen. Mit ihr wurden Verkehrsführung und Straßenraum deutlich umgestaltet und die Transformation des Öffentlichen Mobilitätsraumes eines ganzen Viertels gestartet. Im Video gibt die Grazer Vizebürgermeisterin Einblicke für erfolgreiche Transformationsprozesse, wie man im Zuge eines Großprojekts gleich ein ganzes Viertel umgestaltet und wie der Stimmungswechsel für die Neutorlinie gelungen ist, sowie ihre Empfehlungen für Bürgermeister:innen.

„Das Bauliche, Ökologische und Soziale zusammen zu denken“, ist bei Transformationsprojekten zentral. Dazu sollte man „die Stadt gut kennen“. Graz gehend zu erkunden, ist wesentlich für Judith Schwentner.

Bei Transformationsprojekten gilt es, „möglichst früh die Bevölkerung zu informieren“, zu erkennen, „wo gibt es Verunsicherung“, Ausschau zu halten, was die Akzeptanz fördern könnte und sich Zeit nehmen, „eventuell auch einzelne gesondert zu informieren“.

Um die Stimmung rund um die Neutorlinie zu drehen, wurde ein klarer Kommunikationsschwerpunkt gesetzt. „Wir haben uns bewußt überlegt, was braucht es an Bildern, um zu zeigen was kommt. Was braucht es an Baustellenkommunikation. Was braucht es, um das Projekt besser akzeptierbar zu machen und haben Personen eingeladen, mit denen man sich in Graz identifizieren kann, die das Projekt auch mitgetragen haben.“ Zentral ist das Durchhaltevermögen: „Kommunizieren, reden. Nie aufhören, den Dialog zu suchen. Weiter reden, weiter versuchen zu erklären, auf Beispiele verweisen und die Erlebbarkeit spürbar und sichtbar machen.“

„Man darf den Dialog nicht scheuen, man muss immer kommunizieren und muss Konflikte aushalten, weil die gibt es auf dem Weg“ und – „man darf ein Projekt auch feiern, wenn es fertig ist.“

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Mehr Informationen

Die angesprochenen Baustellenkommunikation rund um das Projekt Innenstadtentlastung Neutorlinie ist auszugsweise hier dokumentiert. Die Initiative #schauvorbei unterstützte in dieser Phase gezielt die Betriebe in der Neutorgasse.

Weitere Empfehlungen von Judith Schwentner

  • 5 zentrale Tipps: 1) „möglichst früh und gut vorweg zu informieren. Erzählen und sagen, was wir machen. 2) nachvollziehbar machen, warum wir das machen. 3) Ausschau halten, gibt es Initiativen vor Ort, die man abholt oder die uns mitnehmen 4) Bilder schaffen, die zeigen, wie schaut es nachher aus. 5) Das Ziel vor Augen haben.“
  • Learnings aus dem Projekt Neutorlinie/Neutorviertel: Dem Projekt einen Namen zu geben und klare Bilder schaffen, das nehmen wir zu jedem weiteren Projekt mit.
  • Möglichst früh mit Medien kommunizieren, mittels Pressekonferenzen aber auch Gespräche mit einzelnen Journalist:innen. „Und immer wieder erklären, warum man das Ganze tut.“ Sowie Nutzung sämtlicher stadteignen Medien: von Social Media bis zu den Baustellenzäunen.
  • Ebenso wichtig: früh genug, die eigene Verwaltung mit Kick-Off Terminen mitnehmen und sich auf gemeinsame Ziele verständigen. Bei Unwegsamkeiten im Projekt sofort Zusammensetzen und möglicher Weise das Projekt adaptieren.
  • Man braucht eine gute Selfcare-Methode, da teilweise die Emotionen auch heftig sein können.
  • hilfreich: Grundsatzbeschlüsse am Anfang der Gemeinderatsperiode (Klimaschutzplan, Masterplan Gehen etc.), die als Grundlage für jedes weitere Projekt dienen.
  • Temporäre Gestaltung bietet viele Chancen: Wünsche aus der Bevölkerung auszuprobieren, Transformation schnell erlebbar machen oder zu evaluieren. 
  • Eine temporäre Umgestaltung sollte jedoch hochwertig sein, damit sie angenommen wird.

Projekte und Aktivitäten von Judith Schwentner:

  1. Innenstadt-Entlastungsstrecke, die neue Straßenbahnlinie Neutorgasse
  2. Umgestaltung des Grazer Neutorviertels
  3. Verkehrsstrategie Mobilitätsplan Graz 2040
  4. Lückenschluss am Joanneumring für durchgängigen Innenstadt-Radring
  5. Grazer Radrouten-Leitsystem (Innenstadt-Ring wird sichtbar)
  6. Fußverkehrsstrategie Masterplan Gehen zur Förderung des zu Fuß-Gehens, Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit und klimaorientierter Stadtraumgestaltung.
  7. Initiative „Jeden Tag ein Baum“ mit tausenden neuen Bäumen / Graz wird Teilnehmerin der Trees In Cities Challenge
  8. Intensivierung des Baumschutzes und Initiative Grazer Baumpatenschaft sowie Blühwiesen-Patenschaft
  9. Begegnungszone Grüne Meile Zinzendorfgasse
  10. Begegnungszone Kaiserfeldgasse
  11. Ausweitung Mobilitätsverträge
  12. Stärkung der Bürger:innenbeteiligung: Neukonstituierung des Bürger:innenbeirats
  13. Stadtentwicklung mit Focus Klimaschutz (Programmvorstellung 2022)
Portraitfoto: Eine Frau mit hellblonden, halblangen Haaren und dunkelblauem U-Boot-Shirt, grün-braunen Augen, lächelnd.
© Stadt Graz/Fischer

Sobald es sich verändert hat und es ist schön, wird es angenommen – dann ist viel vergessen, was an Ärger da war, das ist auch die Erfahrung.

Mag. Judith Schwentner

Vizebürgermeisterin Stadt Graz

Steckbrief Mag. Judith Schwentner

Die geborene Grazerin war von 2008 bis 2017 Abgeordnete zum Nationalrat für die Grünen und übernahm von 2019 bis 2021 das Grazer Stadtratressort für Umwelt und Frauen. Seit November 2021 ist sie Vizebürgermeisterin von Graz in ihr Ressort fallen Stadtbaudirektion, Straßenamt, Grünraum und Gewässer, Stadtvermessungsamt, Verkehrsplanung, Stadtplanung und Umwelt

Nach dem Studium in Slawistik und Deutschen Philologie war sie zuvor als Auslandslektorin in Lemberg tätig, arbeitete journalistisch unter anderem für Camera Austria sowie als Redakteurin und Chefredakteurin der Straßenzeitung Megaphon. Zudem leitete sie die soziale Einrichtung Megaphon der Caritas sowie das interkulturelle Café Auschlössl. Schließlich verantwortete sie in der Caritas Österreich den Bereich Entwicklungszusammenarbeit und das Kompetenzzentrum Kinder, Auslandshilfe.