Neugestaltung des Bahnhofs in Lienz

Foto vom Bahnhof Lienz mit der Glaskuppel und dem Radweg, der unten durchführt
© Kurt Hörbst
  1. Lienz, Osttirol

Der Bahnhof Lienz wurde zwischen 2019 und 2022 zu einem barrierefreien Mobilitätszentrum umgebaut, das Gehen, Radfahren und öffentlichen Verkehr in den Mittelpunkt stellt. Kernstück ist eine neue, von Tageslicht durchflutete Rad- und Fußgängerunterführung, die erstmals die südlichen Stadtteile und die Gemeinde Tristach direkt mit der Innenstadt verbindet. Das Projekt gilt als Leuchtturm für die Verbindung von öffentlichem Verkehr und aktiver Mobilität sowie Alltags- und Tourismusmobilität im ländlichen Raum.

Eine neue Verbindung

Vor dem Umbau war der Bahnhof Lienz hauptsächlich von Norden, also von der Innenstadt aus, gut zugänglich. Die südlich des Bahnhofs gelegenen Ortsteile und die Nachbargemeinde Tristach waren nur über Umwege erreichbar – ein Hindernis für den Alltagsverkehr und eine Barriere für den in Osttirol stark ausgeprägten Radtourismus. Mit der Neugestaltung wurde dieses Nord-Süd-Gefälle beseitigt: Eine neue Personenunterführung wurde als breite Geh- und Radunterführung konzipiert, die beide Stadtseiten miteinander verbindet und gleichzeitig den Weg zum Bahnsteig barrierefrei macht.

Ein Mobilitätszentrum für die Region

Der Bahnhof wurde zu einem modernen Mobilitätsknoten weiterentwickelt, der verschiedene Verkehrsmittel optimal verknüpft. Ein überdachtes Busterminal ermöglicht wettergeschützte Umstiege zwischen Bus und Bahn. Ein neuer vierter Bahnsteig erhöht die Kapazität des Bahnhofs. Im Süden entstand eine großzügige Park&Ride-Anlage, die über eine neu errichtete Draubrücke angebunden ist und auch das angrenzende Eisenbahnmuseum leichter erreichbar macht. Der historische Bestandsbau wurde revitalisiert und beherbergt nun ein ÖBB-Kundenzentrum, barrierefreie Toiletten, ein Restaurant sowie Diensträume. Ein ergänzender Neubau mit einem Supermarkt rundet das Angebot ab.

Aktive Mobilität als tragendes Prinzip

Die neue Rad- und Fußgängerunterführung ist das Herzstück des Projekts. Sie ist nicht nur Erschließungsweg zu den Bahnsteigen, sondern eine eigenständige Verbindung für den Fuß- und Radverkehr zwischen Innenstadt und südlichem Stadtgebiet. Damit wird der Bahnhof vom Hindernis zur Brücke – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Die großzügigen Dimensionen und die Tageslichtführung machen die Unterführung zu einem einladenden öffentlichen Raum, der auch abseits der Zugsabfahrten genutzt wird. Die Verknüpfung mit dem überdachten Busterminal und den Radabstellanlagen schafft fließende Umstiege und stellt die aktive Mobilität gleichberechtigt neben den öffentlichen Verkehr.

Projekt mit Vorbildwirkung

Die Umgestaltung des Bahnhofs Lienz zeigt, wie aus einem funktionalen Verkehrsbauwerk ein identitätsstiftender Ort für die gesamte Region werden kann. Die durchgängige Barrierefreiheit, die intelligente Verknüpfung der Verkehrsmittel und die Aufwertung des öffentlichen Raums machen das Projekt zu einem relevanten Praxisbeispiel für die Transformation von Mobilitätsräumen in Klein- und Mittelstädten. Die Auszeichnung mit dem VCÖ-Mobilitätspreis 2023 unterstreicht den Vorbildcharakter des Projekts.

Beteiligte

  • ÖBB
  • Stadt Lienz
  • Land Tirol
  • ostertag ARCHITECTS ZT GmbH

Links:

  1. https://mobilitaetsprojekte.vcoe.at/projekt/mobilittszentrum-bahnhof-lienz-2023/
  2. https://www.vvt.at/oeffi-welt/news/bahnhof-lienz-zu-moderner-mobilitaetsdrehscheibe-ausgebaut
  3. https://ostertagarchitects.com/projekte/bahnhof-lienz