Argentinierstraße neu: Wiens erste klimafitte Fahrradstraße

Vogelperspektive auf die Argentinierstraße. Roteingefärbter Asphalt mit Fahrradpiktogrammen und Radfahrenden.
© Stadt Wien/ C- Fürthner
  1. Wien

Die Argentinierstraße ist Wiens erste Fahrradstraße nach niederländischem Vorbild und ein Vorzeigeprojekt moderner Stadtplanung. Der Artikel zeigt, wie durch die Umgestaltung sowohl der Radverkehr gestärkt als auch Mikroklima und Lebensqualität im Grätzl verbessert werden.

Upgrade für die stark genutzte Radverbindung

Die 1,3 Kilometer lange Argentinierstraße ist eine der wichtigsten Verbindungen zwischen der Wiener Innenstadt und dem Hauptbahnhof – insbesondere für den Rad- und Fußverkehr. Ihre hohe Bedeutung zeigt sich auch in den Nutzungszahlen: Bereits im Jahr 2022 nutzten über eine Million Radfahrende diese Strecke [1]. Ausgangspunkt der Neugestaltung war die Notwendigkeit, die bestehende Radinfrastruktur deutlich zu verbessern und gleichzeitig die Lebensqualität im Grätzl zu erhöhen.

Nach rund einem Jahr Bauzeit wurde die Umgestaltung der Argentinierstraße im Dezember 2024 abgeschlossen. Die zentrale Nord-Süd-Verbindung im 4. Wiener Gemeindebezirk wurde zu Wiens erster klimafitter Fahrradstraße umgebaut. Das Projekt verbindet Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs mit umfassender Begrünung, Verkehrsberuhigung und einer Aufwertung des öffentlichen Raums nach niederländischem Vorbild.

Fahrradstraße in Rot als Lückenschluss im Radhighway Süd

Als Ergebnis intensiver Planungsprozesse und einer breiten Beteiligung der Anrainer:innen im Jahr 2022 wurde die Argentinierstraße als Fahrradstraße gemäß Straßenverkehrsordnung umgesetzt. Fahrräder und Kraftfahrzeuge teilen sich dabei die Fahrbahn, wobei Radfahrende Vorrang haben. Die durchgehend rot eingefärbte Fahrbahn erhöht die Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmenden und trägt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei. Mit der Umgestaltung wurde zugleich ein zentraler Lückenschluss für den rund neun Kilometer langen Radhighway Süd realisiert, der Wien und Niederösterreich künftig durchgehend über einen hochwertigen Zwei-Richtungs-Radweg verbindet [2].

Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität im Straßenraum

Ein zentrales Element des Projekts ist die umfassende klimafitte Gestaltung des Straßenraums. Insgesamt wurden 70 neue Bäume gepflanzt und rund 100 Grünbeete angelegt. Zusätzlich erfolgten großflächige Entsiegelungsmaßnahmen, die gemeinsam mit der Verkehrsberuhigung zu einer deutlichen Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Breitere Gehbereiche, neue Sitzgelegenheiten sowie Beschattungs- und Wasserelemente erhöhen die Aufenthaltsqualität für Anrainer:innen und Passant:innen im öffentlichen Raum.

Als Kompromiss zur Umverteilung des Straßenraums wurden rund 100 neue Stellplätze geschaffen, die ausschließlich Anwohner:innen zur Verfügung stehen. Damit wurde ein Ausgleich zwischen Begrünung, Verkehrsberuhigung und den Bedürfnissen nach Parkplätzen angestrebt.

Beteiligungsprozess als Planungsgrundlage

Ein wesentlicher Bestandteil der Projektentwicklung war die umfassende Einbindung der Bevölkerung. Über 10.000 Anrainer:innen wurden in mehreren Dialogformaten, Workshops und Beteiligungsverfahren in die Planung einbezogen. Die Rückmeldungen zeigten einen klaren Wunsch nach mehr Grün, weniger versiegelten Flächen und einer Reduktion des Durchgangsverkehrs [3]. Diese Anliegen flossen maßgeblich in die Gestaltung der neuen Argentinierstraße ein und sind im heutigen Erscheinungsbild des Straßenraums deutlich sichtbar.

Die neue Argentinierstraße zeigt exemplarisch, wie Radinfrastruktur, Klimaanpassung und qualitative Stadtraumentwicklung miteinander verbunden werden können. Als erste klimafitte Fahrradstraße Wiens setzt sie neue Maßstäbe für die Neuaufteilung des Straßenraums und dient als praxisnahes Referenzprojekt für nachhaltige Mobilität und lebenswerte Stadtquartiere.

Bild der Argentinierstraße von einer Drohne aufgenommen. Blick von der Karlskirche bis zum Sankt-Elisabeth-Platz
© Stadt Wien/C-Fürthner

Beteiligte

• Mobilitätsagentur Wien
• Stadt Wien, Straßenverwaltung und Straßenbau
• Stadt Wien, Architektur und Stadtgestaltung
• Rosinak & Partner
• Grimm Landschaftsarchitekten

Links:

  1. [1] https://presse.wien.gv.at/2023/01/26/der-radfahr-trend-in-wien-haelt-an-2022-mehr-als-11-mio-radfahrende-gezaehlt
  2. [2] https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20241209_OTS0094/simahalbwidlpipal-leixner-klimafitte-fahrradstrasse-in-der-argentinierstrasse-ist-fertig-grosses-eroeffnungsfest-am-nachmittag
  3. [3] https://www.mobilitaetsagentur.at/argentinierstrasse/