Piazze Aperte: eines der größten Transformationsprojekte Europas mit temporärer Umgestaltung

ein Platz, der mitten auf einer Kreuzung geschaffen wurde. Bunte (gelb und blaue Farbflächen, interessant aus Kreisflächen und Rechtecken geschaffen, wobei die Gesamtfläche die Form einer taillierten Vase hat. Als zusätzliche Abgrenzung zur Verkehrsfläche wurden Bäume in Pflanztrögen aufgestellt. Auch Bänke und Fradabstellanlagen finden sich auf der Farbfläche. Zahlreiche Menschen tummeln sich darauf.
© Comune di Milano

Mehr als 60 Projekte, über 56.000 m²: Seit 2018 wurde in Mailand eines der größten Transformationsvorhaben Europas realisiert. Unter dem Namen “Piazze Aperte” wurden mit vergleichsweise günstigen, kurzfristig umsetzbaren temporären Maßnahmen zahlreiche Plätze, Kreuzungen und Straßen verkehrsberuhigt und zu bunten Begegnungs- und Aufenthaltsräumen gestaltet. Begleitet wurde das Programm von einem intensiven Beteiligungsprozess.

Unter aktiver Mitarbeit der Stadtbevölkerung errichtete Mailand seit 2018 über 5 ha verkehrsberuhigte Plätze. Die Erhaltung wird nach Möglichkeit mittels Kollaborationspakten zwischen Stadt und Bevölkerung sichergestellt. Einige Plätze konnten mittlerweile sogar dauerhaft baulich umgestaltet werden. Trotz Kritik findet das Projekt hohen Zuspruch: Bei den letzten Wahlen gab es deutliche Zugewinne für die Partei des Bürgermeisters, der sich für das Projekt persönlich einsetzte und der auch die Vision für die zweitgrößte Stadt Italiens vorgab. Piazze Aperte ist eingebettet in einen umfassenden städtischen Transformationsprozess, der Mailand bis 2030 zu einer klimafitten Vorzeigestadt machen soll.

Offene Plätze statt Blechlawine

Piazze Aperte bedeutet auf Deutsch „Offene Plätze“, also Plätze für Fußgänger:innen und Radfahrende, für Spiel, Aufenthalt und Begegnung. Das Projekt wurde von AMAT, dem Amt für Mobilität, Umwelt und Raumordnung der Stadt Mailand in Zusammenarbeit mit Bloomberg Associates und der Global Designing Cities Initiative (GDCI) entwickelt.

Die Ziele des Programms Piazze Aperte:

  1. Städtische Plätze und Straßen wieder ins öffentliche Leben integrieren und als Orte der sozialen Interaktion gestalten.
  2. Durch verkehrsberuhigende Maßnahmen und die Errichtung von Fußgängerzonen die Sicherheit für Menschen im öffentlichen Raum verbessern.
  3. Kostengünstige Maßnahmen mit hohem Impact umsetzen, bevor permanente bauliche Umgestaltungen in Angriff genommen werden.
  4. Gemeinschaftliches Engagement stärken und die Zusammenarbeit zwischen Anwohner:innen und der Stadtverwaltung fördern.
Zu sehen ist eine in grünen und gelben Streifen bemalte Straße mit Baumreihen auf beiden Seiten. In der Mitte der Straße stehen Sitzmöbel. Im Hintergrund fährt ein Bus.
© RdA Suisse

An der Via Pacini wurden Kreuzungsbereiche neu fair-teilt, um lebenswerte Aufenthaltsbereiche zu schaffen. Die bestehende Promenade wurde dabei mit neuen Elementen und Sitzgelegenheiten aufgewertet.

zu sehen ist ein betonierter Platz, auf den Sitzmöbel, Radständer und Bäume in Pflanzkübeln aufgestellt wurden. Zahlreiche Eltern und Kinder befinden sich auf dem Platz, auf dem scheinbar gerade eine Veranstaltung stattfindet.
© Comune di Milano

Die Via Castellino da Castello wurde mit Hilfe von Sitzmöbeln verkehrsberuhigt, um einen sicheren Zugang zum angrenzenden Schulzentrum zu gewährleisten.

Von zwei Pilotprojekten zu offenen Plätzen in jedem Stadtviertel

Innerhalb weniger Jahre wurden in Mailand mehr als 60 Piazze Aperte mit einer Gesamtfläche von über 56.000 m² errichtet. Große öffentliche Plätze von bis zu 5000 m² wurden so für Kinder, zu Fuß Gehende und Anwohner:innen gewonnen. Jede zweite Bürger:in Mailands lebt heute laut Global Designing Cities Initiative in maximal 15 Gehminuten Entfernung von einem dieser Plätze.

Den Grundstein legten zwei Pilotprojekte im Jahr 2018: Der Piazza Dergano, ein als Parkplatz genutzter historischer Dorfplatz, war der erste Offene Platz, der in Mailand geschaffen wurde. Kurz darauf folgte die Umgestaltung einer Kreuzung in den “Piazza Angilberto”.

Aufgrund des großen Anklangs der Pilotprojekte wurde im Jahr darauf ein mehrstufiger Beteiligungsprozess für ganz Mailand unter dem Titel “Piazze Aperte in ogni quartiere”, offene Plätze in jedem Stadtteil, angestoßen. Das ausgesprochene Ziel des Prozesses: sowohl Plätze für die Transformation zu identifizieren aber insbesondere engagierte Menschen und Gruppen zu finden, die nicht nur Ideen für die Umgestaltung der Stadt einbringen, sondern diese auch selbst vorantreiben und unterstützen wollen. Von der Pandemie beschleunigt, wurden im Jahr 2020 unter dem Titel „Strade Aperte“ weitere Maßnahmen zur Umgestaltung des Straßenraums umgesetzt. So entstanden in 2 Jahren 68km neue Radwege. Ende 2022 folgte ein neues Ausschreibungsverfahren für die Umgestaltung schulnaher öffentlicher Flächen – “Piazze Aperte per ogni scuola”, offene Plätze für jede Schule.

Abgebildet ist ein verkehrsberuhigter Platz, auf den in Reihen gelbe und weiße Kreise aufgemalt sind. Links: Bäume in Pflanzkübeln, Sitzgelegenheiten und ein Tischtennis-Tisch. Rechts: eine lange Reihe Leihräder
© marcuscalabresus

Die Umgestaltung des Piazza Angilberto war eines der Pilotprojekte in Mailand.

Groß gedacht – groß gemacht

Eingebettet ist das Programm Piazze Aperte in einen großen städtischen Transformationsprozess, eine umfassende Strategie, die im Masterplan “Milano 2030” ausformuliert wurde. Mailand ist Teil des Up2030 Netzwerks aus acht europäischen Pilotstädten, die vorzeigen wollen, wie die Transformation hin zu einer klimaneutralen Stadt funktioniert.

Eine Reihe von Maßnahmen, die von Grünraumplanung über Mobilität bis hin zu Klimaschutz reichen, sollen Milano zu einer grünen und klimaresilienten Vorreiterstadt machen. Dafür werden vormalige Asphaltflächen begrünt, der öffentliche Nahverkehr wird auf Elektrobusse umgerüstet. Mit der Einführung einer Citymaut konnte der Autoverkehr im Stadtzentrum bis 2019 bereits um 40 Prozent reduziert werden. Seither wurden mit einer weiteren Umweltzone die MIV-Beschränkungen auf die gesamte Stadt ausgeweitet. Mit dem Einfahrtsverbot für „excessively polluting vehicles“, das alle paar Jahre verschärft wird, konnte die
Feinstaub-Belastung halbiert werden. (Social aspects of low emission zones: Milan case study)

ein Man in blauem Anzug (Bürgermeister Guiseppe Sala) sitzt in einer alt anmutenden Straßenbahn und zeigt lachend beim Fenster hinaus
© European Commission

Giuseppe Sala, Bürgermeister Mailand: „Eine führende Stadt zu sein, bedeutet, Trends vorwegzunehmen und zu zeigen, dass kleine Veränderungen, die zu großen führen, möglich sind.“

Eines der ambitioniertesten Ziele: Bis 2030 möchte die Stadt drei Millionen Bäume pflanzen, also mehr als Mailand Einwohner:innen hat. Die Zahl klingt außergewöhnlich ambitioniert, doch genau darum geht es auch: hochgesteckte Ziele setzen und damit die Richtung vorgeben. Bürgermeister Giuseppe Sala bringt die Haltung hinter all dem auf den Punkt: „Das Wachstum der Zahlen ist wichtig, aber eine führende Stadt zu sein bedeutet, Trends vorwegzunehmen und zu zeigen, dass kleine Veränderungen, die zu großen führen, möglich sind.“ Und weiter: „Mailand ist in dieser Hinsicht ein Labor, eine Stadt, die experimentiert.“ Giuseppe Sala will „Mailand zum Vorbild für Italien, für Europa, für die Welt machen“ und verspricht „noch mehr Mut bei der Umweltherausforderung“.

Temporäre Umgestaltung: geringe Kosten, großer Effekt

Das Programm Piazze Aperte folgt den Prinzipien des Tactical Urbanism: Mit kostengünstigen, kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen wurden neue öffentliche Räume und sichere Straßen geschaffen. Dabei wurden zuerst mit relativ geringem Aufwand Zwischenlösungen umgesetzt, die seither schrittweise in eine dauerhafte Umgestaltung übersetzt werden. Der Vorteil: Maßnahmen sind reversibel. Lösungsvorschläge können erst ausgetestet werden, bevor Zeit und Ressourcen in eine bauliche Umgestaltung fließen. Und: Mit temporären Maßnahmen lässt sich viel schneller ein spürbarer Effekt erzielen.

Konkret hat sich Mailand für ein breites Spektrum einfacher Mittel entschieden: bunte und verschiedenartige Bodenbemalungen, Bänke, Tischtennisplatten, Picknicktische, Straßenbeschilderung, Fahrradständer, Pflanzkübel, Bordsteine und Gehwegverlängerungen sowie Bodenspielgeräte. Auch Künstler:innen waren in die Umgestaltung des Straßenraums involviert. So entstanden dort, wo früher nur Autos zu finden waren, bunte Straßenkunstwerke. Die bunte Farbe sollte dazu beitragen, die neuen Aufenthaltsflächen sichtbar und attraktiv für Anwohner:innen zu machen und gleichzeitig den Verkehr zu verlangsamen.

Ansicht aus der Vogelperspektive auf einen Platz, der gerade mit gelben und weißen Kreisen bemalt wird.
© Comune di Milano

Temporäre Elemente wie Pflanzkübel, Tischtennis-Tische und Bodenbemalungen kamen häufig zum Einsatz. Die Umsetzung der Umgestaltungsmaßnahmen an der Piazza Dergano erfolgte mit den Anrainer:innen gemeinsam.

Stadtweiter Beteiligungsprozess: von Teilhabe zu Kollaboration

Von den Superblocks in Barcelona, provisorischen Radwegmarkierungen in Paris bis zum Time Square in New York ist der Ansatz des “Tactical Urbanism” bereits seit über einem Jahrzehnt vielerorts auf der Welt erprobt. Was Mailand neben dem Tempo besonders macht, ist die koordinierte, stadtweite Umsetzung mit mehrstufiger Bürger:innenbeteiligung mit dem Schwerpunkt gleich jene Gruppierungen zu identifizieren, die diese Plätze auch nutzen und pflegen: Insgesamt 800 Anwohner:innen und vor allem 200 NGOs sowie zahlreiche Unternehmen, Schulen, Nachbarschaftsvereine, private und öffentliche Institutionen beteiligten sich aktiv an der ersten Phase des Projekts.

Dabei wurden die Mailänder:innen nicht nur gefragt, wo sie sich einen neuen Platz wünschen, sondern auch, wie genau sie sich die Umgestaltung vorstellen – und wie sie sich selber in den Transformationsprozess einbringen wollen. Aus einem Toolkit konnten bereits konkrete Interventionen und Maßnahmen für den jeweiligen Platz ausgewählt werden. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dass die Vorschläge lokal verankert und von einer Gemeinschaft getragen wurden. Kollaborationspakte bilden die Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und ihren Bürger:innen. Darin werden Ziele, erwartete Ergebnisse, gemeinschaftliche Nutzung sowie die Pflege und zukünftige Weiterentwicklung der Plätze festgelegt. Bislang wurden über für 35 ein solcher Kollaborationspakt geschlossen.

In der Mitte des Bildes: eine Reihe Fahrradständer. Links davon eine Auto-Straße, rechts davon ein mit bunten Streifen bemalter Platz.
© RdA Suisse

Der Schulvorplatz Piazzale Bacone wurde gemeinsam mit Unterstützung mehrerer lokaler Vereine und Geschäftsinhaber umgestaltet.

Hohe breite Zufriedenheit – auch wenn es Kritik gab

Die Wirkung ist messbar: Am Piazza Angilberto wurden nach der Umgestaltung 47 % mehr Radfahrende und 30 % mehr Fußgänger:innen gezählt. Eine Befragung konnte große Zufriedenheit bei der Bevölkerung schon bald nach er erfolgten Umgestaltung feststellen: Rund 70% befürworten die errichtete Fußgängerzone und ebenso viele wünschten sich, dass die Umgestaltung dauerhaft bleibt. 52% gaben an, den Platz seit der Umgestaltung häufiger zu nutzen.

Kritik drehte sich vor allem um den Wegfall von Parkplätzen, Nutzungskonflikte und Lärmbelästigung durch die nächtliche Nutzung der Plätze. Eine akademische Analyse aus dem Jahr 2026 verweist außerdem auf Wartungsprobleme, die mangelnde Dauerhaftigkeit der Gestaltungselemente sowie Ungleichheiten in der räumlichen Verteilung der umgestalteten Plätze. Zudem wird der Vorschlag eines Übergangsmechanismus geäußert, damit zwischen Experiment und Beständigkeit das Projekt nicht in einem dauerhaften Schwebezustand verharrt.

Trotz dieser Kritik und der nicht immer idealen Umsetzung wurde das Projekt politisch bestätigt: In der Bürgermeisterwahl 2021 konnte Bürgermeister Sala, der das Programm “Piazze Aperte” initiiert und persönlich vorangetrieben hatte, seine Unterstützung von 42 % auf knapp 58 % steigern und damit die Bürgermeisterwahl mit Abstand gewinnen.

Luftbild auf den Piazza Nolo, der im Kreuzungsbereich zweier Straßen entstanden ist und nun eine autofreie Zone darstellt. Umgrenzt wird der Platz von Pflanzkübeln, zwischen denen Sitzelemente stehen. Der Platz selbst ist mit großflächigen blauen und gelben Rechtecken bemalt.
© Comune di Milano

Wo früher die Kreuzung der Via Spoleto und Via Venini lag, findet sich heute der “Piazza Nolo” mit Sitzgelegenheiten und Pflanzkübeln.

Zu sehen ist ein Platz der in gelber und blauer Farbe bemalt ist. Die Farbe ist an einigen Stellen bereits abgewetzt. Im Hintergrund grenzen Pflanzkübel den Platz zur Straße hin ab.
© Patricia Bermudez, TU Wien-MOVE

Insgesamt findet das Projekt Piazze Aperte hohen Zuspruch. Daran konnte scheinbar auch die bereits sichtbar abgewetzte Bodenfarbe nichts ändern.

Temporär wird permanent

Nach der positiven Auswertung der temporären Maßnahmen hat die Gemeinde Mailand entschieden, mehrere Plätze im ersten Schritt auch dauerhaft baulich umzugestalten: 9 Plätze und Straßen wurden bereits permanent umgestaltet darunter die beiden Plätze, mit denen alles begonnen hatte, der Piazza Dergano und der Piazza Angilberto. Weitere Plätze zur permanenten Umgestaltung sind in Planung oder schon im Bau.

Sowohl in Italien als auch international hat “Piazze Aperte” Vorbildwirkung: Städte wie Turin, Palermo, Rom, aber auch Budapest haben bereits ähnliche Ansätze aufgegriffen. Die Europäische Kommission betrachtet Mailand’s Umgestaltung des Straßenraumes als Referenzprojekt für die gelungene Transformation mittels “tactical urbanism”. In Rom 2026 basierend auf den Erfahrungen von Mailand das Programm Spazi a Colori (Farbräume)gestartet zudem bereits 187 Vorschläge von Bürger:innen, Verbänden, Schulen und ähnliche für die Umgestaltung von öffentlichen Räumen vorliegen. Im TactiCity Projekt des URBACT Transfer Network wird die Methode von Mailand auf Übertragbarkeit auf die Projektteilnehmerstädte aus Tschechien, Griechenland, Spanien, Ungarn und Rumänien untersucht.

ein gepflasterter Platz, Menschen, darunter viele Kinder, unterwegs sind. Im Hintergrund grenzen ausgewachsene Bäume an den Platz.
© RdA Suisse

Piazzale Lavater: Einer der ersten Plätze, die permanent umgestaltet wurden.

ein Luftbild auf eine neu gestaltete Straße, links eine Reihe Jungbäume in eigenen Baumscheiben, rechts eine neu angelegte begrünte Fläche mit Jungbäumen und angrenzenden Bänken, daneben ein begrünter Platz mit Altbäumen. Auf der Straße aus grauen und rötlichen Betonplatten sind zwei Radfahrer und ein Fußgänger unterwegs
© Comune di Milano

Die Via Toce wurde permanent für den Autoverkehr gesperrt. Als begrünte Spielstraße soll sie die auf beiden Seiten angrenzenden Parks miteinander verbinden.

Was kann man von Mailand lernen?

Vier zentrale Erfolgsfaktoren lassen sich identifizieren: internationale Expertise, die Vorteile taktischer Maßnahmen, die gelungene Einbindung der Stadtbevölkerung und die entschlossene und visionäre Herangehensweise des Bürgermeisters.

  1. Internationale Erfahrung und von einander Lernen brachte die Zusammenarbeit mit Bloomberg Associates nach Mailand und stärkte zugleich die politische Legitimation des Projekts. Ein wesentlicher Hebel bestand darin, die Umgestaltung zunächst als reversibel zu kommunizieren: als Experiment, das bei Bedarf auch wieder umgekehrt werden könnte. Dadurch konnte öffentlicher Widerstand reduziert werden. In der Praxis zeigte sich, dass die anfängliche Skepsis meist wenige Monate nach der Umgestaltung verschwand.
  2. Die schnelle und effektive Umsetzbarkeit der taktischen Maßnahmen vermittelte anschaulich, dass Veränderung im Stadtraum möglich ist, und erzeugte in vielen Fällen zusätzliche Nachfrage nach ähnlichen Projekten.
  3. Der Partizipationsprozess zeigte, wie es gelingen kann, zivilgesellschaftliche Initiativen zu mobilisieren. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die Umgestaltung besonders dort erfolgreich verlief, wo eine engagierte Nachbarschaft dahinter stand. Besonders oft waren es Eltern, die sich für eine Umgestaltung des öffentlichen Raums einsetzten. Auch öffentliche Veranstaltungen wie Einweihungsfeste trugen dazu bei, die neuen Plätze im Alltag zu verankern und soziale Aneignung zu fördern.
  4. Die politische Vorgangsweise von Bürgermeister Giuseppe Sala, der große Entwürfe und große, motivierende Stadtziele – „Mailand zum Vorbild machen“– visionär vorgibt und damit die Grundlage schafft, so ein großes Projekt mit breiter Zustimmung umzusetzen. Seine deutliche Wiederwahl dürfte ihm Recht geben.

Letztendlich zeigt sich in Mailand, dass taktische Maßnahmen nicht nur als Übergangsphase verstanden werden sollten, sondern als eigenständiges Planungsinstrument, das – bei entsprechender Pflege und Instandhaltung – nachhaltige Transformationen im Stadtraum ermöglichen kann.